Neues vom Projekt Online-Durchsuchung: Golem berichtet über einen Artikel in der Chip, der wohl konkretere Aussagen zur Durchführung der eDurchsuchung macht:
Der eigentliche Angriff auf den PC erfolge durch physischen Zugriff auf
den Rechner, heißt es in dem Chip-Artikel weiter: "Ein BKA-Team dringt
heimlich in die Wohnung ein und zieht Kopien von allen Festplatten.
Diese Daten analysiert dann der BKA-Software-Entwickler und bastelt ein
Tool, das perfekt auf die Rechner-Umgebung zugeschnitten ist." Das
modular aufgebaute Programm finde seinen Weg in den Ziel-PC ebenfalls auf,
"eher analoge Weise: Spezialisten machen die Wohnung noch einmal auf und
installieren das Tool. Das Programm gleicht also eher einer Überwachungswanze
als einem Trojaner."
Also nochmal ganz langsam. Zuerst brechen BKAler in die Wohnung eines "Gefährders" ein, setzen sich hin und machen sich von allen Festplatten, die sie finden einen Dump. Dann untersucht ein "BKA-Software-Entwickler" die Festplatten und baut sich ein "Tool" (Remote Forensic Software, RFS) zusammen. Dann brechen die BKAler nochmal in die Wohnung ein und installieren das Tool?
Das klingt ja alles ziemlich ausgefeilt. Trotzdem gibts bei ein paar Punkten Verständnisschwierigkeiten:
- Wird beim Kopieren der Festplatten das Schlüsselwortverfahren von Herrn Ziercke angewandt, um den Kernbereich privater Lebensgestaltung zu schützen?
- Wie kommt man an die Festplatten, wenn ständig jemand zu Hause ist?
- Was analysiert der BKASW, wenn alle Festplatten vollverschlüsselt sind?
- Wie gedenkt man das "Tool" auf dem Zielrechner vor Ort zu installieren, wenn die Festplatten verschlüsselt sind oder durch andere Methoden eine Veränderung des Systems erschwert wird (Live-CD)?
Das ist alles nicht so richtig durchdacht. Und das BKAler gleich zweimal heimlich in die Wohnung kommen sollen (dürfen), stinkt nach legaler verdeckter Hausdurchsuchung. Vielleicht ist das ja der Kompromiss auf den man sich hinterher einigen wird ...
siehe auch:
Rabenhorst - Doch an den Rechner ran?
si tacuisses - Wird Online-Durchsuchung offline eingeleitet?
Inzwischen scheint auch dem BKA klar gewordenzu sein, dass das Konzept der heimlichen Online-Durchsuchung mittels Bundestrojaner und staatlichem Hackerangriff zum Ausspähen von Passwörtern nicht nur rechtliche, sondern auch technische Problem...
Tracked: Aug 04, 15:17